Partizipation – Meine Haltung

Partizipation ist im ersten Schritt eine Frage der Haltung und erst im zweiten eine der Methode. Ernstgemeinte Beteiligung setzt zunächst eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person voraus. Partizipation bedeutet, die eigene vorhandene Macht abzugeben oder sie mit anderen zu teilen. Das Bewusstsein dieses grundlegenden Zusammenhangs halte ich für essentiell, um Alibipartizipation entgegenzuwirken.

Meine Grundüberzeugung ist, dass jeder Mensch das Recht dazu hat, bei allen Entscheidungen Teil zu haben, die sich auf sein eigenes Leben auswirken. Auch gehe ich davon aus, dass alle Menschen dazu in der Lage sind Entscheidungen zu treffen. Jemandem aufgrund von Alter, Geschlecht, körperlichen und mentalen Fähigkeiten, seiner Herkunft oder aus ähnlichen anderen Gründen die eigene Entscheidungskompetenz abzusprechen, widersprecht meinem demokratischen Verständnis. Viel mehr sehe ich alle Beteiligten in der Verantwortung, vorhandene Hindernisse zu beseitigen.

Trotzdem ist es unstrittig, dass es Grenzen in der Partizipation gibt, beispielsweise, wenn die seelische oder körperliche Unversehrtheit von Beteiligten gefährdet scheint. Schränkt man Entscheidungsfreiräume ein, muss dies gut begründet werden und transparent sein.

Wie bereits geschrieben, ist Partizipation eine Haltung – dies bedeutet, dass gelebte Partizipation im Alltag spürbar wird und nicht unbedingt nach außergewöhnlichen Projekten ruft. Es handelt sich um einen ständigen Prozess, in dem es darum geht, die zwischenmenschlichen Strukturen und Gewohnheiten zu reflektieren und eigene Lebensansichten zu hinterfragen.

Nach vielen intensiven Jahren mit diesem Thema kann ich alle nur dazu ermutigen, sich mit Partizipation zu beschäftigen und die Gedanken in die Welt hinauszutragen. Schließlich ist Teilhabe Grundlage unserer demokratischen Gesellschaft.